Geschichte der Bewegung für eine bessere Welt

 

Die „Bewegung für eine bessere Welt“ ist eine Erneuerungsbewegung in der Kirche.
Ihr Gründer ist Pater Riccardo Lombardi, SJ.
Geboren ist er am 29. März 1908 in Neapel.
Sein Vater, Luigi Lombardi, war Professor an der Universität in Neapel, wo auch Riccardo mit einem Jusstudium beginnen sollte.
Die Mutter, Emma Valauri, war Präsidentin der katholischen Frauenbewegung Italiens.

Riccardo Lombardi wandte sich bald vom Jusstudium ab, studierte katholische Theologie und wurde 1936 in Rom zum Priester geweiht.

        P. Riccardo LOMBARDI S.J.1938 begann er seine Vortragsreihe an italienischen Universitäten. Der Inhalt dieser Predigten war für die damalige Zeit sensationell: Gott ist Liebe. Durch diese „neue“ Botschaft erklärt sich auch der enorme Zulauf zu seinen Predigten.

1948 drängte Lombardi den damaligen Papst, Pius XII., zu einer Reform der Kurie und der Gesamtkirche.

1949 begann Lombardi seine Vortrags- und Predigttätigkeit auch im Ausland, und zwar zuerst in Wien. 

Am 10. Februar 1952 proklamierte Pius XII. Lombardis Tätigkeit zur „Bewegung für eine bessere Welt“. Im Laufe der folgenden Jahre bemühte sich Lombardi um Mitarbeiter.

1956 entstand die „Promotorengruppe“, bestehend aus Laien, Ordensangehörigen (Frauen und Männern) und Priestern.               Im Juni1975 gab Pater Lombardi aus eigenem Entschluss die Leitung der Promotorengruppe an ein Team ab.

Am 14. Dezember 1979 starb Riccardo Lombardi in Rocca di Papa, in jenem Haus, das Pius XII. P. Lombardi für seine Tätigkeit geschenkt hatte.

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Als Jugendlicher hatte Lombardi wenig Interesse an der katholischen Kirche. Dies änderte sich, als Papst Pius XI. im Dezember 1925 eine Ausstellung zur Missionstätigkeit der Kirche eröffnete, die der junge Lombardi auf Wunsch der Mutter besuchte. Der damals 17-jährige schrieb später in sein Tagebuch: „Möge das der Weg sein, der Menschheit zu dienen.“
Das Erlebnis der Missionsausstellung wurde für Riccardo Lombardi zu einem Berufungserlebnis, sodass er am 25. März 1926 in das Noviziat der Jesuiten eintrat.
Zehn Jahre später, am 25. Juni 1936, wurde Lombardi in Rom zum Priester geweiht – er hatte inzwischen zwei Doktorate in Philosophie erworben, zu denen ein weiteres in Theologie an der Universtltät Gregoriana hinzu kam.
Wegen seiner schriftstellerischen Begabung kam P. Lombardi in die Schriftleitung der Zeitschrift der italienischen Jesuiten „Civiltá Cattolica“, und schrieb auch für die Zeitung „Osservatore Romano“.

Fast zufällig – als Aushilfe für einen erkrankten Mitbruder – wurde er im Jahr 1938 eingeladen zu den Studenten und Professoren der Universität von Padua zu sprechen. Lombardi sprach von Gott, als dem Liebenden. Die Hörsäle der Universität reichten bald nicht mehr aus um die Zuhörer aufzunehmen. Neben dem Thema Liebe, waren weitere Themen seiner Predigt: die Versöhnung und die Barmherzigkeit, konkretisiert von Jesus Christus, dem einzigen Schlüssel für eine bessere Welt –dem einzigen Schlüssel zum Heil.

Nach Padua sprach P. Riccardo Lombardi noch in Bologna, Pisa und Venedig.
Das Echo auf seine Vorträge war überwältigend. Alle Vortragsräume konnten die große Zahl der Zuhörer, wie am Beginn seiner Predigttätigkeit in Padua, nicht mehr fassen. Die Medien wurden auf Lombardi aufmerksam und bezeichneten die Predigten als „Kreuzzug der Liebe.“

Als die Kirchen, Theater, ja selbst die Fußballstadien, zu klein wurden, predigte Lombardi auf riesigen Plätzen vor 50.000 bis zu 200.000 Menschen. Als auch diese Plätze nicht mehr ausreichten, wurden Kirchen und Plätze mittels Lautsprecheranlagen verbunden, so z. B. einmal 52 Städte in der Lombardei.

P.Lombardi spricht in WienLombardi drängte es, der ganzen Welt von der Liebe Gottes zu predigen.   So ging er im Oktober 1949 nach Wien, als erste verschiedener europäischer Städte: Paris, Städte in Belgien, in Deutschland, der Schweiz und Holland. Danach ging es nach Übersee, Amerika und Kanada. Bis 1976 predigte Lombardi in über 75 Ländern, darunter zuletzt auch in einigen Ländern Asiens.

Papst Pius XII. verfolgte die Predigttätigkeit Lombardis mit Wohlwollen und sagte des öfteren: „Hier ist der Finger Gottes!“ Der Papst proklamierte am  10. Februar 1952 die Tätigkeit Lombardis als „Bewegung für eine bessere Welt“ und erklärte die Notwendigkeit eine bessere Welt dem Willen Gottes entsprechend zu gestalten.
Lombardi erkannte sehr bald, dass das „Werk“ – eine bessere Kirche für  eine bessere Welt – nicht von einer Person allein getragen werden konnte.
So suchte er nach Mitarbeitern – aus allen Schichten der Gesellschaft und der Kirche.


Laien, Ordensangehörige (Frauen und Männer) und Priester – alle Stände der Kirche sollten in der „Promotorengruppe“ vertreten sein.
Um diese Mitarbeiter zu schulen, wurden die „langen Kurse“ eingeführt. Die ersten dieser Kurse wurden in Frascati durchgeführt und ab 1956 im Zentrum Pius XII. – in der Via dei Laghi – in Rocca di Papa, jenem Haus, das der Papst Lombardi dafür eigens schenkte.

Lombardi drängte den Papst zu einer Reform der Kirche. Der Papst entgegnete: „Reform der Kirche – ja! Aber welche? Und wie?“
So übergab Lombardi am 15. August 1948 dem Papst ein 80-seitiges Dokument mit seinen Vorschlägen zu Kirchenreformen.
Inhalt dieser Reformen sollte u. a. auch ein Konzil sein, um all diese Änderungen in der Kurie und in der ganzen Weltkirche durchzusetzen.
Der Papst beauftragte Lombardi, die Kardinäle über die nötigen Reformen in der Kurie persönlich zu informieren.
Jedoch ließ der Papst Lombardi bald darauf bestellen:
„Hören Sie auf, der Widerstand unter den Kardinälen ist zu groß! Das soll ein jüngerer Papst beginnen!“

Am 9. Oktober 1958 starb Papst Pius XII., der über 19 Jahre an der Spitze der katholischen Kirche stand. Mit ihm starb auch ein enger Freund und Förderer P. Lombardis.

 

Kardinal Angelo Giuseppe Roncalli wurde bereits am 28. Oktober, dem vierten Tag des Konklaves, zum neuen Papst – Johannes XXIII. – gewählt, der von den Italienern, seiner Liebenswürdigkeit wegen, bald als „Papa Giovanni“ bezeichnet wurde.
Es war allerdings kein „jüngerer“ Papst, der das II. Vatikanische Konzil ausrief, sondern ein älterer – Das war am 25. Jänner 1959.
Johannes XXIII. glaubte, das Konzil schon in etwa drei Monaten beginnen lassen zu können.
Konzilsbeginn war dann aber erst am 11. Oktober 1962 – und beendet wurde es drei Jahre später am 8. Dezember 1965, unter dem Nachfolger Roncallis, Papst Paul VI.
Lombardi kannte Kardinal Roncalli aus Paris, wo dieser seit 1949 Apostolischer Nuntius war, und an einem seiner Vorträge teilnahm. Sie waren offensichtlich befreundet, denn als Roncalli Patriarch von Venedig wurde, hatte er Lombardi eingeladen, Exerzitien für seine Bischöfe zu halten.

Da sich Lombardi schon lange über ein Vatikanisches Konzil Gedanken gemacht hatte, hatte er schon ein Manuskript fertig liegen, das er 1961 in die Druckerei brachte. Darin zählte er auf, was sich alles in Kirche und Kurie – seiner Meinnung nach – ändern müsste.

Das Buch „Concilio per una riforma nella caritá“ – auf deutsch: „Das Konzil für eine Reform in der Liebe“ erregte jedoch in der Kurie, beim Papst und den Kardinälen so großen Widerstand, dass er sich gezwungen sah, es zurückzuziehen.

Was schrieb Lombardi? Unter anderem: Verbannung jeder Karrieresucht aus der Kurie des Vatikans. Absolute Unabhängigkeit bei jeder Beförderung. Die Posten müssen mit den besten Leuten besetzt werden – das erfordert auch den Austausch von Personen – aus fachlichen oder Altersgründen. Im Vatikan muss der Weltklerus vertreten sein nicht nur der Italiens.
Des Weiteren wurden auch jene Vorschläge aufgelistet, die Lombardi bereits am 15. August 1948 Pius XII. übergeben hatte.
In einem anonymen Artikel im „Osservatore Romano“ vom 11. Januar 1962, wurden die Forderungen Lombardis als „unbesonnen und unrichtig“ stark angegriffen. Einige Tage später erschien ein weiterer Bericht, in dem Lombardi noch heftiger angegriffen wurde.
Lombardi hat unter diesen Anschuldigungen und bösartigen Verleumdungen besonders gelitten und erst unter Paul VI. wurde seine Beziehung zum Papst und zur Kurie wieder besser.
Lombardi bezeichnete sich selbst als „instinktiv etwas antiklerikal“. Er stieß sich an den Vorrechten des Klerus, besonders an den oft pomphaften Kardinälen. Er selbst hatte die Ernennung zum Bischof immer abgelehnt, weil es dann schwerer sein würde, den Menschen die Wahrheit zu predigen.

Lombardi schreibt dazu in seinem Handbuch für die Promotorengruppe:
„Auf Grund dieser Vorfälle, die sich unmittelbar vor Beginn des Konzils ereignet haben, ist es klar, dass ich vom großen Konzil offiziell ausgeschlossen blieb. Wie habe ich diese Stunde der allgemeinen Reform erträumt, ersehnt, vorhergeschaut! Seit 20 Jahren habe ich mich täglich damit beschäftigt, in Gedanken, im Gebet, in den Gesprächen, in den Vorträgen und in den Schriften.“

Die Vorsehung Gottes hatte jedoch einen besonderen Plan mit Lombardi und seiner Promotorengruppe. Lombardi hielt für die Konzilsväter an ihren freien Tagen, an Wochenenden oder auch ganzen Wochen, Einkehrtage ab, manchmal in Rom, öfter auch in Rocca di Papa.
Bis zum Schluss des Konzils haben über 1200 Konzilsväter an diesen Einkehrtagen teilgenommen und dadurch sind die Anliegen, die Lombardi in seinem Buch niedergeschrieben hatte, dennoch ins Konzil eingeflossen. Auf Wunsch der Kardinäle und Bischöfe wurden die Vorträge von P. Lombardi schriftlich unter den Konzilsvätern verteilt. Eine Reihe dieser Vorträge wurde auch als Buch herausgegeben und in mehr als zehn Sprachen übersetzt; der deutsche Titel lautet: „Konzilsväter, was nun?“

Die Promotorengruppe der „Bewegung für eine bessere Welt“, schon von Papst Pius XII. so bezeichnet – und zwar am 10. Februar 1952 bei einer Ansprache – machte es sich nun zur Aufgabe, die Konzilsbeschlüsse den Menschen nahe zu bringen. „Das Konzil leben“ wird zum Schwerpunkt ihrer Arbeit, mit dem Ziel, das Konzil im Leben der Christen – ja der ganzen Welt – wirksam werden zu lassen.
Inzwischen wuchs die internationale Promotorengruppe auf über 630 Personen an (Stand: 2011) und ist in über 40 Ländern der Welt tätig.

Die „Bewegung für eine bessere Welt“ wurde von den Promotoren nie als ein neuer Verein oder eine neue Organisation verstanden.
Bewegung für eine bessere Welt ist überall dort, wo Menschen sich aufmachen, die Welt in eine bessere und menschlichere, dem Willen Gottes entsprechendere, zu verändern.

Kursteilnehmer in RomIn den Kursen, die nun zu Hunderten in vielen Teilen der Welt und auch im Zentrum Pius XII. in Rocca di Papa durchgeführt wurden und werden, versuchen die Promotoren diese Bewegung in den Herzen der Menschen anzustoßen.
In vielen Ländern entstanden Zentren, die diese Bewegung in Kirche und Welt noch besser fördern sollten. In Österreich ist es das „Lombardi-Zentrum“ in Salzburg, Klessheimer Allee 93.

Die Promotorengruppe sieht ihre Aufgabe sowohl in der Kirche, als auch in der Gesamtgesellschaft.

Die Kirche ist, nach der Lehre des II. Vatikanischen Konzils, das „Sakrament des Heiles“ für die Welt.
Deshalb sieht die Promotorengruppe ihre Aufgabe darin, den Menschen in der Kirche diese Tatsache viel mehr ins Bewusstsein zu rufen.
Die Gesellschaft ist der Adressat kirchlichen Handelns. Die Gemeinschaft der Kirche besteht ja aus Menschen, die vom Heiligen Geist geeint, eine Botschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist (Pastoralkonstition „Die Kirche in der Welt von heute“). Das Wirken der Kirche in der Gesellschaft darf demnach nicht dazu dienen deren Machtposition zu festigen. Vielmehr will die Promotorengruppe die Kirche dafür sensibel machen, wo in der Gesellschaft Menschen schon für eine bessere Welt (mehr Geschwisterlichkiet, mehr Mitbestimmung usw.) arbeiten und sich mit ihnen zu vernetzen, bzw. sich in diese Bestrebungen einzugliedern.

Die Promotorengruppe hat für ihre Arbeit ein Kursprogramm entwickelt, das ihre Spiritualität zusammenfasst.

Der Grundkurs, von den ignazianischen Exerzitien abgeleitet, ist das Fundament all dieser Kurse.
Es geht darum
Neu zu Sehen (1. Teil),
Neu zu Sein (2. Teil), und
Neues zu Tun (3. Teil).
Im ersten Teil geht es darum, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sie im Lichte des Planes Gottes – geoffenbart in der Bibel – zu deuten, sowie unsere Entscheidung für eine bessere Welt zu bekunden.
Im zweiten Teil geht es um unser Neu Werden im Verhältnis zu unseren Mitmenschen, zur ganzen Schöpfung und in all dem zu Gott. Die Teilnehmer sollen sich ihrer Taufe bewusst werden, in der sie zu einer Neugeburt – aus Wasser und Heiligem Geist – wurden.
Im dritten Teil geht es um ein Neues Tun, um eine Neuorientierung des Handelns der Teilnehmer als kirchliche Gemeinschaft, damit sie immer besser ihre Aufgabe für die Gesellschaft erfüllen können.

Um die Inhalte des Grundkurses noch mehr zu vertiefen werden einzelne Themen, wie Gebet, Dialog, Evangelische Räte u.v.m. als eigene Kurse angeboten.

P. Lombardi  mit P. CuberoIm Juni 1975 gab Pater Lombardi – auf Grund seiner angeschlagenen Gesundheit – die Leitung der Promotorengruppe an Don Juan Pedro Cubero ab.
Lombardi machte 1976 eine letzte Reise durch Länder Afrikas und Asiens, wo er mit den führenden Vertretern der großen nicht-christlichen Religionen Gespräche führte.
Sein letztes Buch: „Kirche und Reich Gottes“ ist eine Zusammenschau seiner Erfahrungen, sozusagen das Testament seines Lebens.

P. Riccardo Lombardi schrieb einmal: „Ich habe den Herrn wiederholt inständig gebeten, mir für das Heil der Brüder alles Leid, dessen ich in meinem Leben fähig bin, zu schenken; dem Tod entgegengehen zu können wie eine Kerze, die man aushaucht, mich für ihn und für die Brüder so weit als möglich zu verzehren, dass nichts übrig bleibt, was ich ihm nicht gegeben hätte.“

Lombardi starb in den ersten Stunden des 14. Dezember 1979, einem Freitag, im Zentrum in Rocca di Papa.